Dilman Schmid
Deutscher Glockengießer

Dilman Schmid

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Deutscher Glockengießer
Gender:
Male
Places:
Birth:
1646
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Biography

Introduction

Dilman Schmid (Eigenschreibweise des Vornamens Tilman, auf einer Glocke für Melbach auch Johann Dilman Schmid) war ein deutscher Glockengießer aus Aßlar im Übergang vom 17. ins 18. Jahrhundert. Er goss viele Glocken nach Mittelhessen und Umgebung, von denen einige erhalten sind.

Geschichte

Dilman Schmid wurde um 1646 oder 1664 geboren. 1682 kam seine Tochter Anna Kunigunda zur Welt. Seine ersten Glocken goss er gemeinsam mit Antonius oder Adoni Fei/Faer (unterschiedliche Schreibweisen auf den Glocken). Dieser goss ebenso gemeinsam mit dem Aßlarer Johann Jacob Rincker, etwa im Jahr 1683 eine Glocke für Ober-Hörgern. Das lässt den Schluss zu, dass Fei Lehrmeister von Schmid und Rincker gewesen sein könnte. Die letzten Glocken mit Fei entstanden um 1696.

Ab spätestens 1708 begleitete auch Schmids Schwiegersohn Philipp Schweitzer, der Anna Kunigunda geheiratet hatte, den Glockenguss.

Im Jahr 1709 wurden Schmid und Schweitzer als Sachverständige angehört, um eine von der Frankfurter Gießerfamilie Schneidewind gefertigte und von Hanau bemängelte Glocke für die Marienkirche zu beurteilen.

Die letzte dokumentierte Glocke goss Schmid 1715 für Ober-Wöllstadt. Schweitzer übernahm den Gießerbetrieb und führte ihn noch einige Jahre in Werdorf fort.

Charakteristika

Schmid goss die meisten seiner frühen Glocken in Septim-Rippe, d. h. mit einer Septime als Unterton. Später wechselte er zur Oktav-Rippe, deren Teiltonaufbau er – wie etwa in Weilburg – auch mit hoher Genauigkeit einhielt. Die Terz ist meistens eine kleine Terz, beispielsweise bei einer Glocke für Großen-Linden kommt auch eine große Terz vor.

Die Inschriften verfasste Schmid mit einigen Schreibfehlern in Schwabacher Schrift. Später ging er zu einer Barock-Antiqua, oft in Versalien, über; teils verwendete er auch beide gleichzeitig. Ein sehr häufig auf seinen Glocken zu lesender Spruch ist „Die schlafende weck ich die suender schreck ich die dotten [=Toten] bewein ich * dilman schmid von aslar gos mich, durchs feuer flos ich * 1697“ oder „zum gebet ruf ich / des juenste gerichts erinere ich dich“ (beide Beispiele aus Langgöns).

Neben Zierringen auf dem Wolm und verschiedentlichen Zierfriesen an der Haube sind auf Schmids Glocken häufig auch Heiligenbilder zu finden. Die Krone ist eine gewöhnliche Sechshenkelkrone mit schmucklosen, fast kreisrunden und im Querschnitt quaderförmigen Henkeln.

Werke

In den beiden Weltkriegen wurden viele Glocken zu Rüstungszwecken eingeschmolzen oder durch Brände zerstört. Einige kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Glockenlager in Hamburg („Glockenfriedhof“) zurück. Manche wurden bereits im 18. oder 19. Jahrhundert umgegossen.

Die folgende Liste gibt einen – sicherlich unvollständigen – Überblick über die Glocken von Dilman Schmid.

Jahr Aufhängungsort Gebäude/Nutzung Schlagton Masse Durchmesser Erhalten Bemerkung
1684 Grünberg (Hessen) Ev. Stadtkirche f Ja  
1685 Daubhausen Ev. Kirche Nein Gegossen für Edingen, verkauft nach Daubhausen
1686 Nieder-Eschbach Ev. Kirche g Ja Gegossen für die ev. Kirche Nieder-Wöllstadt, dort nach dem Zweiten Weltkrieg zu Rincker abgegeben und später weitervermittelt. Krone abgebrochen.
1686 Wetzlar Sim. Wetzlarer Dom fis 1.400 kg (ca.) 1.275 mm Ja  
1686 Atzbach Ev. Kirche Nein 1850 umgegossen
1686 Effolderbach Ev. Kirche Nein Kein Gießervermerk, jedoch Inschrift „Ich ruf zu Gott und kling zu Grab o Mensch dein große Sünd leg ab“ passend zu Schmids Schema und ähnlich zu Nieder-Wöllstadt „ich ruf got euch und kling zu grab o mensch dein grosse suend leg ab“. Ende des 19. Jahrhunderts umgegossen.
1686 Melbach Ev. Kirche Nein 1859 für neues Geläut eingeschmolzen
1687 Hochstadt Ev. Wehrkirche St. Kilian g Ja Gemeinsames Werk mit Adoni Fei
1688 Philippstein Ev. Kirche Unbekannt
1688 Volpertshausen Alte Kirche Nein 1866 umgegossen
1690 Usingen Ev. Laurentiuskirche gis Nein h bereits 1899 umgegossen, cis im Ersten Weltkrieg zerschlagen und gis im Zweiten Weltkrieg von Granatsplitter getroffen
h
cis
1690 Allendorf/Lahn Ev. Kirche cis 680 kg 690 mm Ja  
1690 Wieseck Ev. Kirche Nein 1817 umgegossen durch F. W. Otto
1690 Wölfersheim Ev.-ref. Kirche Nein 1862 umgegossen
1690 Ebersgöns Ev. Kirche   Nein „Sehr disharmonisches Geläute“ Die vermutlich größere Glocke wurde im Zweiten Weltkrieg konfisziert
h Ja
1690 Rüdigheim (Amöneburg) St. Antonius der Einsiedler c 265 kg 760 mm Ja
1691 Rodheim vor der Höhe Ev. Kirche es Ja Gegossen für die lutherische Reinhardskirche, heute mit dem Gesamtgeläut im Turm der ehemaligen reformierten Kirche
1692 Schwalbach (Schöffengrund) Ev. Kirche b- 220 kg Ja
1695 Oberlauken Ev. Kirche b- Ja
1696 Oberursel (Taunus) Kath. St. Ursulakirche e -7 1.360 kg 1.263 mm Ja  
1696 Lang-Göns Ev. Jakobuskirche dis -6 1.150 kg 1.265 mm Ja Gemeinsames Werk mit Antonius Fei. Einziges (größtenteils) erhaltenes Geläut aus einem Guss. Kleinste Glocke 1884 nach Sprung umgegossen.
fis +4 1.050 kg 1.180 mm Ja
gis +8 450 kg 925 mm Ja
  Nein
1697 Hungen Ev. Stadtkirche fis Ja Bürgerglocke
1697 Villingen Ev. Kirche fis Nein 1829 umgegossen
1698 Langenbach (Weilmünster) Ev. Kirche   Ja
Ja
1699 Oberndorf (Solms) Ev. Kirche dis 125 kg 610 mm Ja
1699 Hausen-Oes Ev. Kirche Nein 1862 umgegossen
1699 Laufdorf Ev. Kirche 770 mm Ja
1701 Ober-Rosbach Ev. Stadtkirche Nein
1701 Schwalbach (Schöffengrund) Ev. Kirche as 270 kg Nein 1830 mit der Stadt Braunfels gegen eine andere Glocke getauscht. Im Zweiten Weltkrieg eingezogen, 1947 zurück, gesprungen, 1950 umgegossen.
1701 Leun Ev. Kirche ges 935 mm Ja Betglocke/Hl. Dreieinigkeit
b 830 mm Mittagsglocke
1702 Röthges Ev. Kirche Nein 1879 umgegossen
1702 Ehringshausen Ev. Michaeliskirche fis Ja
1703 Friedberg (Hessen) Ev. Stadtkirche Unserer Lieben Frau f +2 800 kg 1.150 mm Ja Elfuhrglocke. Neuzeitlich bei Geläutesanierung Riss geschweißt und Schlagring wiederhergestellt.
1705 Büttelborn Ev. Kirche g 645 kg 1.000 mm Ja Gemeinsames Werk mit Philipp Schweitzer
1705 Stockstadt am Rhein Ev. Kirche ges 776 kg 1.089 mm Ja
b 450 kg 889 mm Gemeinsames Werk mit Philipp Schweitzer
1707 Hochstadt Ev. Wehrkirche St. Kilian Nein
1707 Runkel Ev. Kirche fis 750 kg Nein Umguss aus Glocke von 1700, im Ersten Weltkrieg zerschlagen
1707 Bergen Laurentiuskirche g 622 kg Ja
1708 Weilburg Ev. Schlosskirche e 1.200 kg 1.220 mm Ja Mittagsglocke
g 820 kg 1.120 mm Nein Totenglocke
a 622 kg 1.000 mm Nein Gebetsglocke
1708 Langendiebach Ev. Kirche Nein
1709 Langenselbold Ev. Kirche Unbekannt Evtl. auch zwei Glocken
1709 Hadamar Ev. Kirche Unbekannt Evtl. Verwechslung mit Tilman von Hachenburg?
1710 Gambach Ev.-ref. Kirche e 993 kg 1.180 mm Ja Gemeinsames Werk mit Philipp Schweitzer
1710 Steindorf Ev. Kirche des Ja  
1710 Steinbrücken Ev. Kirche Unbekannt
1710 Friedberg (Hessen) Ev. Stadtkirche Unserer Lieben Frau Nein Stand bei einer Inventur Ende des 19. Jahrhunderts in der Sakristei
1711 b +5 3.200 kg 1.750 mm Ja Sonntagsglocke. Größte erhaltene Glocke Schmids, womöglich sein größtes Werk überhaupt. Neuzeitlich bei Geläutesanierung Schlagring wiederhergestellt.
1711 Bissenberg Ev. Kirche 550 mm Ja
1712 Großen-Linden Ev. Kirche St. Peter d + 1.300 kg 1.300 mm Ja 10-Uhr-Glocke. Durterz
1714 Dillenburg Altes Archivgebäude   150 kg 630 mm Unbekannt
1715 Ober-Wöllstadt Kath. Kirche St. Stefanus Nein 1863 umgegossen

Literatur

  • Hellmut Schliephake: Glockenkunde des Kreises Wetzlar. In: Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft Lahntal e. V. 12. Jahrbuch. 1989, ISSN 0722-1126, S. 5–150, hier: S. 86–93 (Dilman Schmid aus Aßlar).