Daniel Gerth
German fighter pilot

Daniel Gerth

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German fighter pilot
Gender:
Male
Places:
Work field:
Birth:
10 February 1891(Stepnica, Gmina Stepnica, Goleniów County, West Pomeranian Voivodeship)
Death:
30 June 1934(Lichterfelde, Steglitz-Zehlendorf, Berlin, Germany)
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Introduction Leben und Wirken
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Biography

Introduction

Johann Daniel Edmund Gerth (* 10. Februar 1891 in Stepenitz; † 2. Juli 1934 in Berlin-Lichterfelde) war ein deutscher Jagdflieger und SA-Offizier sowie Führer eines nach ihm benannten Freikorps. Er wurde vor allem als einer der Getöteten des sogenannten Röhm-Putsches bekannt.

Leben und Wirken

Früherer Werdegang und Erster Weltkrieg

Nach dem Schulbesuch trat Gerth 1911 in das Infanterie-Regiment 150 ein. Am 16. Juni 1913 erreichte Gerth den Rang eines Leutnants.

Ab 1914 nahm er mit diesem am Ersten Weltkrieg teil. Von November 1914 bis März 1918 fungierte Gerth als Kompanieführer im Infanterie-Regiment 150. Am 13. September 1917 wurde er für seine Leistungen im Krieg mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern ausgezeichnet. Eine Verwundung, die Gerth am 21. März 1918 erlitt, zog einen längeren Lazarettaufenthalt nach sich. Nach seiner Genesung kehrte er am 27. Mai 1918 in seine Funktion als Kompanieführer zurück. Am 18. August 1918 wurde er zum Oberleutnant befördert und zugleich mit der Führung des III. Bataillons des Infanterie-Regiments 150 beauftragt.

Seit den 1930er Jahren findet sich in der Literatur die hartnäckig immer wieder auftauchende Legende, dass Gerth während des Krieges als Jagdflieger eingesetzt worden sei und dass er für seine Leistungen als Pilot im Luftkampf im September 1918 mit dem Orden Pour le Mérite dem höchsten deutschen Kriegsorden ausgezeichnet worden sei. Hierzu ist zu bemerken, dass Gerth zwar tatsächlich den Pour le Merite erhielt, dass er jedoch niemals als Flieger verwendet wurde und den Orden folglich auch den genannten Orden nicht für fliegerische Leistungen erhielt: Der zeitgenössischen Bekanntmachung vom 13. Oktober 1918 ist zu entnehmen, dass der tatsächliche Grund für Gerths Auszeichnung mit dem Orden der war, dass er am 29. September 1918 als Bataillonskommandeur bei Kämpfen zwischen Argonnen und Maas zehn amerikanische Angriffe hintereinander zurückschlug und anschließend einen nachfolgenden Tankangriff vereitelte, indem er mit seinen Leuten die amerikanischen Panzer erkletterte und mit Handgranaten und Pistolenschüssen durch die Sehschlitze sechs Panzerwagen außer Gefecht setzte und dass er daraufhin am 1. Oktober 1918, damals im Rang eines Oberleutnants, den Pour-le-Merité verliehen bekam. In der offiziellen Verleihungsliste wurde Gerth als Ordensträger 5310 geführt.

Der Ursprung der Legende, dass Gerth den Pour le Merite für Pilotenleistungen erhalten habe, ist nicht mit Sicherheit geklärt: Wahrscheinlich ist aber, dass diese im Zusammenhang mit den nach seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten 1934 in Umlauf gekommenen Angaben und Gerüchten über seine Todesumstände, entstand (zu Gerths Ermordung siehe unten): Auffällig ist, dass der NS-Politiker Hermann Göring, dem in zahlreichen Berichten über den Tod Gerths eine maßgebliche Mitverantwortung für Gerths Ermordung zugeschrieben wird, seinerseits im ersten Weltkrieg Kampfflieger war und für seine Leistungen als Pilot mit dem Pour le Merite ausgezeichnet worden, so dass diese Eigenschaften des Täters Göring wahrscheinlich von zeitgenössischen Berichten in verzerrender Weise auf sein angebliches Opfer Gerth übertragen wurden, zumal dieser selbst (wenn auch nicht für fliegerische, sondern für infanteristische) Leistungen im Krieg wie Gerth mit dem Pour le Merite ausgezeichnet worden war. Denkbar ist auch, dass man Gerth in den Berichten über seinen Tod gezielt zum Piloten stilisierte und behauptete, dass er seinen Orden für als Pilot erbrachte Leistungen erhalten habe, um die das Ausland erreichende Schilderungen, dass der Pour-le-Mérite-Träger Göring einen Pour-le-Mérite-Träger namens Gerth haben exekutieren lassen, durch die Feststellung, dass Göring einen anderen Kampfflieger - also nicht nur bloß einen anderen Weltkriegsveteran, sondern sogar einen der der selben exklusiven Waffengattung wie er angehört hatte - in brutaler und heimtückischer Weise habe liquidieren lassen, in den Augen der Leser in ihrer Abstoßendheit noch weiter zu verstärken und auf diese Weise den für diese Bluttat (tatsächlich oder vermeintlich) verantwortlichen Göring in der Wahrnehmung der Leser in einem über seine Rolle als Mitverantwortlicher für einen staatlich organisierten Massenmord hinausgehenden Weise in einem zusätzlich negativen Licht erscheinen zu lassen. Bezeichnenderweise wurde in einigen Darstellungen der Ermordung Gerth 1934 sogar behauptet, dass Gerth während des Krieges derselben Fliegerstaffel wie Göring, so dass der NS-Politiker in diesen Darstellungen sogar als Mörder seines eigenen ehemaligen Kameraden figuriert. Die frühesten Quellen, in denen sich die Behauptung, dass Gerth Flieger gewesen wäre (und als solcher den Pour-le-Merite erhalten habe) findet, sind das kommunistische Weissbuch über die Erschiessungen des 30. Juni und ein Artikel im Pariser Tageblatt vom 18. Juli 1934.

Weimarer Republik und NS-Staat

Während der revolutionären Wirren war Gerth der Führer des nach ihm benannten Freikorps Gerth („Freiwilliges Jägerkorps Gerth“), eines mehr als 600 Mann umfassenden Kampfverbandes, der sich von Januar bis Juni 1919 an der gewaltsamen Bekämpfung innerer Unruhen und an der Grenzsicherung beteiligte. Gerths Freikorps kam vor allem im Allensteiner Korpsbezirk, Ostpreußen, zum Einsatz, wo es linke Revolutionäre bekämpfte und nach einer Schrift von 1930 "die halbe Provinz" eroberte. Zum 1. Oktober 1920 schied Gerth als Oberleutnant a.D. mit dem Charakter eines Hauptmanns aus dem Militär aus.

1926 heiratete Gerth in Berlin Erna Lichmann.

Ende der 1920er Jahre trat Gerth in die NSDAP ein. In den folgenden Jahren machte er Karriere in der Privatarmee der Partei, der sogenannten Sturmabteilung (SA), in der er es bis zum Obersturmbannführer, nach anderen Quellen bis zum Standartenführer brachte. Daneben war er Sportreferent der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg und zählte als Adjutant und enger Mitarbeiter von Karl Ernst zur Führungsriege der SA.

Verhaftung und Ermordung

Am 30. Juni 1934 wurde Gerth im Zuge der unter der Propagandabezeichnung „Röhm-Putsch“ bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle der Nationalsozialisten vom Frühsommer 1934 exekutiert. Einer Quelle zufolge soll er am Mittag des 30. Juni von der Schutzstaffel (SS) verhaftet worden sein, als er auf dem Weg zu einem Jagdausflug auf dem Land einen Abstecher in sein Büro im Stabsquartier der Berliner SA-Gruppe machte, um dort nach dem Rechten zu sehen. Anschließend wurde er in die SS-Kaserne in Berlin-Lichterfelde gebracht. Dort wurde er vor ein Standgericht gestellt, das ihn des Hochverrats für schuldig erklärte und am 1. oder 2. Juli 1934 von einem Erschießungspeloton Angehörigen der Leibstandarte SS Adolf Hitler füsiliert. Einer Überlieferung zufolge grüßte er das Hinrichtungskommando noch mit der Aufforderung, dass die „Kameraden“, wie er die Schützen angeredet haben soll, gut zielen sollten. Als offizielle Todeszeit Gerths wurde aufgrund von Mitteilungen der Gestapo beim Standesamt Lichterfelde der 2. Juli 1934 2.15 Uhr morgens eingetragen. In der internen Liste der am 30. Juni bis 2. Juli exekutierten Personen der Geheimen Staatspolizei wurde hingegen der 30. Juni als sein Todestag verzeichnet.

Der Polizeibeamte Alfred Martin, der zusammen mit Gerth und zahlreichen anderen Verhafteten am 30. Juni und 1. Juli 1934 in einem Kohlenkeller der Kaserne der Leibstandarte SS Adolf Hitler gefangen gehalten wurde berichte nach dem Zweiten Weltkrieg, dass sich die letzten Stunden Gerth wie folgt abgespielt hätten: Er und Gerth hätten im Keller zusammengesessen und hätten zusammen Schnaps getrunken während sie auf die ihnen angekündigte Erschießung gewartet hätten. Gerth hätte nicht gewusst, weshalb er verhaftet worden sei und „was eigentlich los“ sei. Am Morgen des 1. Juli sei Gerth aus dem Keller geholt und zu Hermann Göring ins Luftfahrtministerium gebracht worden. Zwei Stunden später sei er zurückgekehrt: Göring hätte ihm, als Gerth sich dem Ministerpräsidenten vorführen musste, den Orden Pour le mérite in einer demonstrativen „Schändungsszene“ abgerissen. Nach seiner Rückkehr in den „Todeskeller“ von Lichterfelde habe er keinen Ton mehr gesagt und sei dabei - es sei noch dunkel gewesen - im Licht von Lastwagenscheinwerfern auf dem Hof der Leibstandarte erschossen worden.

Der frühe Hitler-Biograph Konrad Heiden hatte bereits in seinem 1930er Jahren veröffentlichten Buch berichtet, dass einer der in Lichterfelde eingesperrten Verhafteten namens „Gehrt“ von einem Adjutanten aus dem Keller gerufen worden sei und mit den Anweisung nach Hause geschickt worden sei, nach Hause zu gehen, sich zu waschen, zu rasieren und dann in voller Repräsentationsuniform mit allen Orden bei Göring zu erscheinen. Nachdem „Gehrt“ getan habe, wie ihm geheißen und in voller Montur bei Göring in der Erwartung erschienen sei, dass dieser ihm mitteilen würde, dass sich seine Unschuld (d.h. seine Nichtbeteiligung an der angeblichen SA-Revolte die an diesem Tage von verräterischen Kreisen der SA-Führung angezettelt worden sei) herausgestellt habe und dass er, „Gehrt“, daher als entlastet und rehabilitiert gelten würde und ein freier Mann sei, habe Göring „Gehrt“ zu seinem überraschten Entsetzen den Pour le Mérite vom Hals und die übrigen Orden von der Brust gerissen und ihn vor den übrigen Anwesenden beleidigt. Danach sei „Gehrt“ in den Kohlenkeller der Leibstandarte in Lichterfelde zurückgebracht worden. Dort habe er bis zu seiner Erschießung in einem völlig gebrochenen Zustand verharrt und habe sogar auf dem Weg zur Exekution aufgrund seines Zustandes gestützt werden müssen.

Dem Vorstand der Exil-SPD gingen Informationen über die Exekution Gerth zu: Man habe eine grausame „Erschießungs-Tortur“ mit ihm aufgeführt. Dabei sei kurz vor dem Schießbefehl an das Exekutionskommando ergangen sei ein Mann aus dem zweiten Stock des neben dem Exekutionsplatz stehenden Hauses Halt geboten. Gerth sei abgeführt worden. Zwei Stunden später sei er dann doch erschossen worden. In ähnlicher Weise berichtete der Daily Express in einem Artikel vom 4. Juli 1934, dass die Exekution Gerths ein besonders schauriges Spektakel gewesen sei: Diesem Artikel zufolge war Gerth auf den Kasernenhof der Liebstandarte geführt worden, hatte seinen Mantel abgelegt und seine Brust freigemacht und vor dem Erschießungskommando Aufstellung genommen als eine Stimme vom über ihm liegenden Fenster dem Exekutionskommando zurief ihn nicht zu erschießen. Daraufhin sei Gerth mit zittrigem Schritt wieder dem Standgericht vorgeführt worden: Man habe ihn zwei weitere Stunden mit Fragen „bombardiert“, in der Hoffnung ihn so zur Preisgabe von Informationen über die vermeintliche SA-Verschwörung zu bewegen. Als Gerth sich geweigert habe, irgendetwas zu sagen, habe man ihn schließlich erneut dem Erschießungskommando übergeben: Er sei erneut ohne Mantel und barbrüstig auf dem Hof aufgestellt worden, wobei bei diese zweite Erschießung keine quälende Scheinerschießung gewesen sei, die im letzten Augenblick abgebrochen worden sei, sondern eine reguläre Erschießung die vollstreckt worden sei.

Am 2. Juli 1934 erhielt Gerths Frau sein Portemonnaie und seine Uhr zurück. Seine Leiche wurde im Krematorium Wedding eingeäschert und anschließend zur Abholung durch die Angehörigen in das ehemalige preußische Herrenhaus gebracht.

Die ausländische Presse verbreitete wenige Wochen nach Gerths Exekution die Meldung, dass Gerths Mutter bei der Abholung der Asche ihres Sohnes in Schreikrämpfe ausgebrochen sei und sie verlangt habe, „den Mörder ihres unschuldig ermordeten Sohnes“ zu sprechen. Auf die Frage wen sie damit meine, habe sie geantwortet „den Mörder Göring“. Daraufhin habe man sie aus dem Gebäude entfernt. Als sie anschließend auf der Allee Unter den linden laut schrie, dass Göring ihren Sohn ermordet habe. Sie sei daraufhin aufgegriffen und nach hause gefahren worden.

Gerths Witwe und seine Mutter erhielten nach seinem Tod aus Gründen der „Billigkeit“ im Rahmen der Versorgung der Hinterbliebenen der Säuberungsaktion vom 30. Juni bis 2. Juli 1934 von der Reichsregierung lebenslange monatliche Renten zugebilligt.