

Hans Spiller
Introduction
Hans Spiller (* 18. Februar 1923 in Weida, Thüringen; † 14. Januar 2014 in Halle) war ein deutscher Rechtswissenschaftler.
Wissenschaftliche Laufbahn
Nach seinem Jurastudium in Leipzig, erhielt Spiller eine Assistentenstelle und wurde 1955 zum Oberassistent befördert. Er promovierte im Jahre 1957 an der Leipziger Universität mit einer Untersuchung zum Gegenstand des Steuerrechts und mit Wirkung vom 1. September 1958 wurde der Oberassistent mit der Wahrnehmung einer Dozentur für Finanzrecht beauftragt. Seine Forschungsgebiete in der DDR betrafen sowohl das Finanzrecht der DDR als auch das Internationales Finanz- und Wirtschaftsrecht. Ab 1. September 1960 ernannte ihn der Staatssekretär für das Hoch- und Fachschulwesen der DDR, Wilhelm Girnus, zum Dozenten für Finanzrecht an der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In seiner Habilitationsschrift von 1962 zum Thema „Souveränität und internationale Finanzrechtsbeziehungen“ untersuchte Spiller die innerstaatliche Leitung des DDR- Finanzsystems und deren internationale Rechtswirkungen. Ab 1963 wirkte er als Professor für internationale Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen und wurde in „Kürschners Gelehrten-Kalender“ für das Jahr 1966 als Professor mit Lehrauftrag für Finanzrecht mit Wohnsitz in Leipzig aufgeführt.
Dekan der Fakultät für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Im Zuge der dritten DDR-Hochschulreform wurde eine Fakultät für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg gegründet und diese – wie alle Fakultäten – einem „Wissenschaftlichen Rat“ unterstellt. Die Leitung dieser Fakultät wurde Spiller mit der Funktionsbezeichnung „Dekan“ übertragen. In dieser Position hatte er vor allem die Aufgabe, Promotionsverfahren durchzuführen und die Urkunden über den verliehenen Doktorgrad zusammen mit dem Universitäts-Rektor, in den Jahren 1971 bis 1977 Rektor Poppe, zu unterschreiben. Dem Dekan stand Mitte der 1970er Jahre als wissenschaftlicher Sekretär der Jurist Siegfried Schulze (* 1925; † 2016) zur Seite, der zugleich im von Spiller geleiteten Wissenschaftsbereich „Internationales Finanzrecht und Wirtschaftsrecht“ zum Versicherungsrecht forschte.
Leiter eines Wissenschaftsbereichs an der Hallenser Universität
Für den im Rahmen der dritten DDR- Hochschulreform geschaffenen Wissenschaftsbereich „Internationales Finanzrecht und Wirtschaftsrecht“ innerhalb der neu geschaffenen Sektion Staats- und Rechtswissenschaft an der Hallenser Universität übernahm Spiller 1968 die Leitung. Dieser Wissenschaftsbereich wurde mehrmals umbenannt: um 1983 in „Internationale Rechtsbeziehungen“, nach der Zusammenlegung mit dem Bereich Völkerrecht wegen der Emeritierung des Universitätsprofessors Gerhard Reintanz in „Internationales Recht“. In "Kürschners Gelehrten-Kalender für das Jahr 1970" wurde Spiller als Universitäts-Professor mit Lehrstuhl und Wohnsitz in Halle aufgeführt.
Am 19. Mai 1987 hielt Spiller einen Vortrag vor dem Europa-Institut der Universität des Saarlandes in Saarbrücken zum Thema: Aufgaben, Rechtsstellung, Finanz- und Währungssystem des RGW, in dem er u. a. eine Bewertung des Rechtscharakters der RGW-Empfehlungen nach völkerrechtlichen Aspekten vornahm.
Betreute Dissertationen (Auswahl)
Zu den im Wissenschaftsbereich von Spiller geschriebenen, betreuten und begutachteten Dissertationen gehören:
- Die Änderung und Aufhebung von Wirtschaftsverträgen durch Partnervereinbarung, Adler, Wolfram, Halle, 1963
- Rechtsformen der Finanzrevision, Zötzsche, Richard, Halle, 1965
- Rechtsprobleme der Bankenschließung auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, Göldner, Joachim, Halle, 1967
- Internationalrechtliche Probleme einer Entschädigung nationalisierten ausländischen Privateigentums, Scheller, Joachim, Halle, 1970
- Internationalrechtliche Probleme der Personen-, Sach- und Haftpflichtversicherung in beiden deutschen Staaten, Schulze, Siegfried, Halle, 1970
Persönliches
Spiller wurde im Alter von 65 Jahren emeritiert. Aus diesem Anlass wurde ein Ehrenkolloquium von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Gesellschaft für Völkerrecht in der DDR in Halle (Saale) 1988 veranstaltet.
Nach seiner Emeritierung wirkte er noch als Rechtsanwalt in eigener Kanzlei unter dem Geschäftsnamen „Prof. Dr. Hans Spiller“ in der Saalestadt. Bei der Neuordnung der Zeitungslandschaft auf dem Gebiet der DDR 1990 wurde Spiller als renommierter Jurist zur Bestimmung der Rechtslage des Grosso-Vertriebs zu Rate gezogen und veröffentliche einen Fachbeitrag. Der Pressevertrieb in der DDR sollte nach der friedlichen Revolution durch ein vom Medienpolitik-Ministerium unter Gottfried Müller verordnetes Grosso-System neu geregelt werden, um „einigermaßen ausgeglichene“ Wettbewerbsbedingungen beim Verkauf der Presseerzeugnisse schaffen und dadurch die gewonnene Pressefreiheit zu bewahren.
Spiller fand seine letzte Ruhestätte auf dem Gertraudenfriedhof in Halle (Saale). Der Familienname Spiller bedeutet soviel wie "Spindelmacher, Spillemacher, -drechsler, -dreher".
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die Selbständigkeit des Steuerrechts gegenüber dem Zivilrecht. Zugleich ein Beitrag zur Bestimmung des Gegenstandes des Steuerrechts, Dissertation, Universität Leipzig 1957
- Souveränität und internationale Finanzrechtsbeziehungen. Untersuchungen zur innerstaatlichen. Leitung des. Finanzsystems und deren internationale Rechtswirkungen, Habilitationsschrift, Halle 1962
- Rechtsprobleme gemeinsamer Betriebe sozialistischer Staaten. In: Recht in der Außenwirtschaft, 6/7 aus 1963
- Valutamonopol und internationale Finanzbeziehungen. Innerstaatliche und internationale Rechtswirkungen, Berlin 1963
- Aufgaben und Status des internationalen Finanz- und Währungsrechts. In: Staat – Recht – Wirtschaft. Wissenschaftliche Beiträge der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg, Heft 14/1968 S. 98-119 (B 7), Halle (Saale) 1968
- Rechtliche Regelungen des Finanzsystems der DDR (Mitautor: Zötzsche, Richard), Halle 1970
- Vorwort zu Schulze, Siegfried: Versicherungsrecht. Textausgabe der Rechtsnormen und Vertragsbedingungen für die Sach-, Haftpflicht- und Personenversicherungen in der DDR mit Anmerkungen und Sachregister. Sektion Staats- und Rechtswissenschaften, Wissenschaftsbereich Internationales Finanz- und Wirtschaftsrecht, Berlin 1970
- Das Rechtssystem der Wirtschafts- und Finanzbeziehungen der sozialistischen Integration. In: Forschung und Entwicklung des RGW, S. 188-218, Berlin 1974
- Das internationale sozialistische Finanz- und Währungsrecht, Halle 1976
- Schlussaspekte von Helsinki, neue internationale Wirtschaftsordnung und Aufgaben der Universität, Halle 1977
- Finanz- und Währungsbeziehungen zu nichtsozialistischen Ländern, Berlin 1984
- Finanz- und Währungsbeziehungen der sozialistischen ökonomischen Integration, Berlin 1988; ISBN 978-3-329-00359-4
- Aufgaben, Rechtsstellung, Finanz- und Währungssystem des RGW. Vortrag vor dem Europa-Institut der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, 19. Mai 1987; Saarbrücken 1987
- Finanz- und Währungsbeziehungen der sozialistischen ökonomischen Integration (Mitautor: Herbert Brandt), Berlin 1988; ISBN 978-3-329-00359-4