

Introduction
Felix Mitterer (* 6. Februar 1948 in Achenkirch, Tirol) ist ein österreichischer Dramatiker und Schauspieler. Er ist als Theater-, Hörspiel- und Drehbuchautor tätig.
Leben
Felix Mitterer wurde als Sohn der verwitweten Landarbeiterin Adelheid Marksteiner und eines rumänischen Flüchtlings geboren und direkt nach der Geburt von einem mit der Mutter damals befreundeten Landarbeiterehepaar adoptiert. In Kitzbühel und Kirchberg ging er zur Schule, besuchte danach die Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck und arbeitete ab 1966 beim Innsbrucker Zollamt. 1970 wurden seine ersten Beiträge im ORF gebracht. 1977 machte er sich als freier Autor selbständig. Neben seiner literarischen Tätigkeit tritt er auch immer wieder, wie in seinem ersten Theaterstück Kein Platz für Idioten, als Schauspieler auf. Felix Mitterer arbeitete und lebte von 1995 bis 2010 in Castlelyons (Caisleán Ó Liatháin), Irland. 2010 kaufte er zwecks Übersiedlung nach Österreich in Ravelsbach im Weinviertel einen Bauernhof, den er seit 2011 auch bewohnt.
Felix Mitterer war mit der Künstlerin Chryseldis Hofer-Mitterer verheiratet, das Paar hat eine Tochter.
Mitterer bezeichnet sich selbst als „Tiroler Heimatdichter und Volksautor“ und führt mit seinen Werken, die sich oft einer mundartlichen Kunstsprache bedienen, die Tradition des Volksstücks in Inhalt und Form fort. Dabei greift er meist problematische und kontroverse Themen auf, wie im Stück Kein schöner Land das Eindringen des Faschismus in die ländliche Gemeinschaft, oder das Verhältnis von Deutschen und Österreichern am Beispiel des Tourismus in Tirol in der Satire Die Piefke-Saga. Sie wurde vom ORF als mehrteilige Fernsehserie ausgestrahlt und war beim Erscheinen 1991 höchst umstritten. Vor allem die Werke Die Piefke-Saga und Verkaufte Heimat (ebenfalls vom ORF ausgestrahlt) verhalfen Felix Mitterer Ende der 1980er Jahre zum großen Durchbruch. Seine Protagonisten sind oft sozial isolierte Außenseiter, wie in Kein Platz für Idioten oder Die wilde Frau.
In Anlehnung an die Geschichte von Pius Walder schrieb er Drehbücher für mehrere in Österreich spielende Tatort-Folgen.
Erstmals seit 1983 stand Felix Mitterer 2012 wieder als Schauspieler auf der Bühne. Bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs spielte er den Affen Rotpeter in der Dramatisierung der Erzählung Ein Bericht für eine Akademie von Franz Kafka.
Viele von Mitterers Werken, wie das 1977 an der Volksbühne Blaas in Innsbruck uraufgeführte Stück Kein Platz für Idioten, Besuchszeit und Sibirien (1989 Uraufführung Tiroler Volksschauspiele Telfs / ORF-Aufzeichnung und Verfilmung) werden immer wieder aufgeführt.
Auszeichnungen
- 1978: Kunstpreis der Stadt Innsbruck für Dramatische Dichtung
- 1987: Peter-Rosegger-Literaturpreis
- 1988: Tiroler Landespreis für Kunst
- 1991: Adolf-Grimme-Preis mit Silber (zusammen mit Dietrich Mattausch) und Romy für Die Piefke-Saga
- 1991: Österreichischer Würdigungspreis für Literatur
- 2001: Ernst-Toller-Preis
- 2003: ORF-Hörspielpreis für Die Beichte
- 2004: Prix Italia für das Hörspiel Die Beichte
- 2005: Ehrenzeichen des Landes Tirol
- 2009: Romy für Tatort: Baum der Erlösung
- 2013: Ödön-von-Horvath-Preis
- 2013: ORF-Hörspielpreis für Ein Bericht für eine Akademie
- 2018: Ehrenmitglied des Theaters in der Josefstadt
- 2018: Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien
- 2018: Tiroler des Jahres
- 2019: ORF Hörspielpreise – Hörspiel des Jahres 2018 für Märzengrund (Regie: Martin Sailer)
Dramen
- 1977: Kein Platz für Idioten (Uraufgeführt an der Tiroler Volksbühne Blaas am 15. September 1977)
- 1982: Stigma. Eine Passion (Uraufführung Tiroler Volksschauspiele Telfs 1982, ORF-Aufzeichnung)
- 1985: Besuchszeit (Uraufführung Theater Die Tribüne Wien, RAI/BR/ORF Aufzeichnung, ZDF/BBC-Verfilmung)
- 1986: Die wilde Frau (Uraufführung Altinnsbrucker Bauerntheater/Innsbrucker Kellertheater, ORF-Verfilmung)
- 1987: Verlorene Heimat (über das Schicksal der Zillertaler Inklinanten) (Uraufführung Zillertaler Volksschauspiele Stumm, ORF-Aufzeichnung)
- 1987: Kein schöner Land (Uraufführung Tiroler Landestheater Innsbruck, ORF-Aufzeichnung)
- 1989: Die Kinder des Teufels (Uraufführung Schauburg München) zu den Salzburger Zauberbubenprozessen im Umfeld des Schinderjackls, auch Zaubererjackl genannt.
- 1989: Sibirien (Uraufführung Tiroler Volksschauspiele Telfs, ORF-Aufzeichnung und Verfilmung)
- 1990: Munde. Das Stück auf dem Gipfel (uraufgeführt am Gipfel der Hohen Munde)
- 1990: Die Kinder des Teufels (österreichische Erstaufführung am Volkstheater (Wien))
- 1991: Ein Jedermann (Uraufführung Theater in der Josefstadt Wien)
- 1993: Abraham (Uraufführung Landestheater Linz, ORF-Aufzeichnung)
- 1993: Die Geierwally. Theaterstück. (Uraufführung Elbigenalp Geierwally-Freilichtspiele / DE Neufassung Luisenburg-Festspiele Wunsiedel 2005)
- 1994: Krach im Hause Gott (Uraufführung Bregenzer Festspiele)
- 1998: In der Löwengrube (inspiriert von Leo Reuss' Lebensgeschichte) (Uraufführung Volkstheater (Wien))
- 1998: Die Frau im Auto (Uraufführung Landestheater Linz)
- 1999: Tödliche Sünden (Uraufführung Tiroler Landestheater Innsbruck)
- 2000: Mein Ungeheuer (Uraufführung Tiroler Volksschauspiele Telfs)
- 2001: Gaismair (Uraufführung Tiroler Volksschauspiele Telfs)
- 2002: Johanna oder die Erfindung der Nation (Uraufführung Salzburger Landestheater)
- 2004: Kreuzweg Hochberg (mit Herbert Meusburger)
- 2004: Die Beichte (Uraufführung Tiroler Volksschauspiele Telfs)
- 2004: Die Hutterer (Uraufführung Schlossbergspiele Rattenberg)
- 2006: Die Weberischen (Musiktheater, Uraufführung Vereinigte Bühnen Wien)
- 2007: Der Panther (Uraufführung in den Wiener Kammerspielen)
- 2007: Franz von Assisi – Der Narr Gottes (Uraufführung Volksschauspiele Ötigheim)
- 2008: Der Patriot (Uraufführung im Stadttheater Walfischgasse Wien)
- 2009: 1809 – Mein bestes Jahr (Uraufführung Tiroler Volksschauspiele Telfs)
- 2009: Speckbacher (Uraufführung Schlossbergspiele Rattenberg)
- 2011: Du bleibst bei mir (Uraufführung Volkstheater)
- 2011: Drachendurst (Theatersommer Haag)
- 2013: Jägerstätter (Uraufführung Theater in der Josefstadt)
- 2013: Jakob der Letzte (Uraufführung Roseggerfestspiele Alpl/Krieglach)
- 2013: Passion Erl. Theaterstück (Uraufführung Passionsspiele Erl (Tirol))
- 2015: Der Boxer über den deutschen Sinto-Boxer Trollmann, Uraufführung im Theater in der Josefstadt
- 2015: Glanzstoff (Bürgertheater in und über die Glanzstoff Austria Fabrik, Landestheater Niederösterreich, ausgezeichnet mit dem Spezialpreis beim Nestroy-Theaterpreis)
- 2016: Märzengrund (Uraufführung Festival Stadl in Stumm)
- 2017: Galápagos (Uraufführung Theater in der Josefstadt)
- 2018: Vomperloch (Uraufführung Tiroler Landestheater Innsbruck)
- 2019: Brüderlein Fein (Uraufführung Raimundspiele Gutenstein)
Drehbücher
- 1981: Der Narr von Wien. Aus dem Leben des Dichters Peter Altenberg (Regisseur John Goldschmidt)
- 1982: Die fünfte Jahreszeit (ab Episode 4)
- 1986 oder 1984: Erdsegen (nach dem gleichnamigen Roman von Peter Rosegger)
- 1988/1989: Verkaufte Heimat (Teil 1: Brennende Lieb'; Teil 2: Leb' wohl, du mein Südtirol)
- 1991: Die Piefke-Saga, Komödie einer vergeblichen Zuneigung – Realsatire
- 1993: Verkaufte Heimat (Teil 3: Die Feuernacht; Teil 4: Komplott)
- 1993: Alle für die Mafia (TV Zweiteiler mit Mario Adorf)
- 1993: Die Wildnis (Kinofilm mit Jürgen Prochnow)
- 1995: Tatort 318 – Der König kehrt zurück
- 1998: Krambambuli (nach der gleichnamigen Erzählung von Marie von Ebner-Eschenbach)
- 1999: Tatort 448 – Passion
- 2001: Tatort 475 – Böses Blut
- 2002: Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers
- 2002: Tatort 504 – Elvis lebt!
- 2003: Tatort 536 – Tödliche Souvenirs
- 2004: Tatort 572 – Wächter der Quelle
- 2004: Die Heilerin
- 2005: Tatort 604 – Der Teufel vom Berg
- 2006: Tatort 635 – Tod aus Afrika
- 2006: Tatort 669 – Tödliche Habgier
- 2008: Die Heilerin 2
- 2008: Tatort 715 – Granit
- 2008: Tatort 717 – Baum der Erlösung
- 2011: Tatort 807 – Lohn der Arbeit
- 2016: Landkrimi – Sommernachtsmord
Kinderbücher
- 1977: Superhenne Hanna (Roman)
- 2004: Superhenne Hanna gibt nicht auf
- 2005: Die Jagd nach dem hohen C (zusammen mit Anna Mitterer)
- 2007: Superküken Hanna (Bilderbuch)
- 2011: Superhenne Hanna (Hörbuch)
Roman
- 2020: Keiner von euch, Haymon Verlag, Innsbruck 2020, ISBN 978-3-7099-3495-1
Autobiografie
- Mein Lebenslauf, Haymon Verlag, Innsbruck 2018, ISBN 978-3-7099-3425-8
Literatur
- Ursula Schneider/Annette Steinsiek: Felix Mitterers „Zettel“-Werk. Über das Exzerpt als literarische Vorstufe. In: Marcel Atze/Volker Kaukoreit (Hrsg.): „Gedanken reisen, Einfälle kommen an“. Die Welt der Notiz. Praesens, Wien 2017, S. 324–335.
- Joachim Gatterer: Das Leben eines Volksschriftstellers. Felix Mitterers Autobiografie. In: Literatur und Kritik, Nr. 525–526/2018, S. 85–87.